Ergo Proxy

 

In einer postapokalyptischen Zukunft: Nachdem bei einer globalen Katastrophe ca. 80% der Menschheit ausgelöscht wurde und die Erdoberfläche vergiftet und unbewohnbar ist, sind Kuppelstädte wie Romdeau die einzigen Zufluchtsstätten.

Gemeinsam mit ihren Arbeitsrobotern – Autoreivs genannt – hat sich die überlebende Menschheit dieses kleine, aber langweilige Paradies errichtet und lebt seither Seite an Seite mit den Autoreivs in einem totalitären Überwachungssystem, in dem es Immigranten äußerst schwer gemacht wird, als Bürger der Stadt aufgenommen und anerkannt zu werden. Lange Zeit geht alles gut, bis die Autoreivs mit einem Virus infiziert werden. Dieser Cogito genannte Virus bringt die Autoreivs dazu, sich ihrer Existenz bewusst zu werden und lässt sie eine Seele entwickeln. „Ich denke, also bin ich“, dachte die Maschine und brachte das Chaos in die schlafende Stadt, denn zum Erwachen gehört Zerstörung unweigerlich dazu. So dachte auch der Mensch und befolgte eine der ältesten Regeln der Menschheitsgeschichte: Zerstöre, was du nicht verstehst und verurteilte die Beseelten zum Tode.

Während sie mit den Ermittlungen zu einem mysteriösen Mordfall betraut ist, hat Agentin Re-l Mayer eine unheimliche Begegnung mit einem ihr völlig unbekannten, monströsen Wesen und erhält eine geheimnisvolle Nachricht. Als sie versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, stößt sie zunächst auf Widerstand. Dennoch gelingt es, an einige Informationen zu gelangen, die sie jedoch vor neue Rätsel stellen. Das unbekannte Wesen war ein so genannter Proxy. Doch was hat es damit auf sich? Warum ist es augenscheinlich hinter ihr und dem jungen Immigranten Vincent Law her? Und welches düstere Geheimnis verbirgt Vincent? Um Antworten auf ihre vielen Fragen zu finden, macht sich Re-l gemeinsam mit Vincent und dem kindlichen, mit dem Cogito-Virus infizierten Autoreiv Pino auf die lange und gefährliche Reise zu Vincents Heimatstadt. Nach Wochen voller Entbehrungen, Gefahren und Prüfungen, die sie bis an die Grenze der psychischen und physischen Belastbarkeit bringen, kommen sie endlich am Zielort an – und erfahren, dass ihre Reise gerade erst begonnen hat …

Die 23-teilige Anime-Serie „Ergo Proxy“ verbindet Elemente der Genres Film Noir, Cyberpunk, Mystik, Krimi und Science Fiction auf unkonventionelle Weise in einer sehr komplexen und philosophischen Geschichte. Dabei weicht sie in ihrer Erzählweise völlig von gewohnten Konzepten ab und fordert gerade dadurch den Zuschauer auf, aktiv in das Geschehen einzutauchen und mit den Figuren zu verschmelzen. Gemeinsam gehen wir auf eine lange Reise, teilen unsere Gedanken und werden zum Schluss eine Antwort auf all unsere brennenden Fragen bekommen. Der Detailreichtum und gut platzierte Überraschungselemente machen die Serie zu einem unvergleichlichen Erlebnis.

Erstmals wurde „Ergo Proxy“ 2006 auf dem japanischen Sender WOWOW ausgestrahlt. Regie führte der durch „Witch Hunter Robin“ und „Gundam Wing“ bekannt gewordene Shukô Murase. Das Drehbuch stammt unter anderem aus der Feder von Dai Sato, der bereits bei „Cowboy Bebop“ und „Wolf’s Rain“ mitgearbeitet hatte. Die Serie liefert die unterschiedlichsten Einflüsse und Anspielungen, seien es nun Kult-Klassiker (u.a. „Blade Runner“, „Metropolis“, „2001: Odyssee im Weltraum“), Märchen (z.B. „Pinocchio“, „Alice im Wunderland“) oder bekannte Persönlichkeiten (u.a. Walt Disney, Adolf Hitler). Doch so gegensätzlich das zunächst aussieht, die Geschichte verbindet alle Aspekte zu einem gut durchdachten großen Ganzen.

„Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich), der erste Grundsatz des französischen Philosophen René Descartes, begleitet uns durch die gesamte Serie. Sowohl bei den mit dem Cogito-Virus infizierten Autoreivs, als auch bei Ergo Proxy alias Vincent Law oder der Protagonistin Re-l Mayer dreht sich alles um den Gedanken der eigenen Existenz. Doch das Erwachen – das Sich-Selbst-Bewusst-Werden – wirft immer weitere Fragen auf. So futuristisch, komplex und düster die Serie auch sein mag, im Kern beschreibt sie unser eigenes Innerstes, eine Geschichte, die wir jeden Tag selbst aufs Neue erleben, völlig unabhängig davon in welcher Umgebung wir uns befinden und in welcher Form sich uns diese Geschichte offenbart. Ergo Proxy lässt uns unser Selbst immer wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachten und lädt so zum Nachdenken ein. Ein absolutes Meisterwerk mit atemberaubenden Animationen und einer vielseitigen, tiefgründigen Story. RL/IKO

Produktionsjahr: Japan 2006, Genre: SciFi, Cyberpunk, Drama, Studio: Manglobe, Episoden: 23 (a 30 Minuten), Anbieter: AV Visionen, FSK: 16, Manga: Nicht in Deutschland erschienen

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